Be Berlin: Roger Boyes attestiert Berlin die Schlafkrankheit.
Und wegen Tempelhof sparen sich Surfer vermeintlich die dreieinhalbstündige Fahrt zur Ostsee.

Die Boeing 787 „Dreamliner“ am 25.06.11 in TXL: Flughafenchef Dr. Schwarz dankte Airbus.
Foto © Das Thema Tempelhof e.V. 2011
Liebe Tempelhof-Freunde, liebe Leser unseres Newsletters,
zu Beginn der Sommerpause ist es wieder einmal Zeit für eine grundsätzliche Bewertung der Berliner Zustände. Und auch hier spielt Tempelhof nach wie vor eine wichtige Rolle und symbolisiert u. E. leider idealtypisch die schlechte Verfassung der Stadt.
Aufhorchen ließ, dass sich im Tagesspiegel vom 02.07.11 Roger Boyes, Deutschland-Korrespondent der Times und Tagesspiegel-Kolumnist, unter dem Titel „Wie Berlin uns alle betrügt“, mit einer melancholischen Liebeserklärung von unserer Stadt verabschiedete.
Hier dürfen sich die hiesigen politischen Eliten, allen voran Klaus Wowereit, besonders angesprochen fühlen. Ein rot-roter Senat, dessen Herz für alles Schrille und Bunte, aber weniger für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit dieser Stadt schlägt, sollte diesen Artikel aufmerksam lesen.
Boyes attestiert Berlin nichts weniger als einen massiven Befall durch eine politisch-soziale Version der Schlafkrankheit, die die Stadt lähmen und zurückwerfen würde. Der Autor hat sich offenkundig auch nicht von der im März 2008 gestarteten Imagekampagne des Berliner Senats „Be Berlin“ blenden lassen.
Boyes: „Es war einmal eine Zeit, da war Berlin Europas Avantgarde. Zu Biberkopfs Zeiten (Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz, 1929) herrschte in Berlin eine natürliche Dynamik; die existiert heute nicht mehr. Die Stadt gilt weltweit als cool, weil es ein Ort der großen leeren Räume ist ... Das Beste an Berlins Brachen ist, dass sie sich wunderbar als Versteck für flüchtige Verbrecher eignen. Bricht jemand aus einem Knast in Nordrhein-Westfalen aus, geht der erste Anruf ans Berliner Landeskriminalamt.“
Wir erinnern uns, dass der Berliner Senat als „vertrauensbildende Maßnahme“ am 30. Oktober 2008 den Flughafen Tempelhof schließen ließ, eine Stadtbrache schuf und damit mutmaßlich die Infrastruktur Berlins schädigte. Die Tegeler Stadtbrache wird – trotz aller Sandkastenspiele - 2012 folgen.
Die von Boyes beklagte intellektuelle Schlafkrankheit scheint aber auch die Führungskräfte dieser Stadt und last but not least die Medien selber befallen zu haben:
Der Flughafenchef Dr. Rainer Schwarz bedankte sich anlässlich der Berlin-Premiere der Boeing 787 „Dreamliner“ bei Airbus und die Berliner Morgenpost erklärte uns am 04.07.11, unter der Überschrift „Von Schlagball bis Skaten: Sportler erobern Tempelhof“, dass sich Surfer vermeintlich wegen Tempelhof die dreieinhalbstündige Fahrt zur Ostsee sparen würden. Der Artikel endet mit den Worten „Eintritt frei“.
Wir wollen hier weder in einen Wettstreit mit der Satirezeitschrift „Titanic“ eintreten, noch hoffen wir, dass „Eintritt frei“ demnächst zum überragenden Bewertungsmaßstab in Berlin werden wird. Der Zustand der Stadt muss aber Freunden und Einwohnern Berlins große Sorge bereiten. Roger Boyes hat mit seinem Abschiedsgruß den Finger tief in die Wunde gelegt.
Allen unseren Lesern wünschen wir einen wunderbaren Sommer!
Mit den besten Grüßen
Ihr Thema-Tempelhof Team
P. S.
Der Boyes-Artikel „Wie Berlin uns alle betrügt“ ist u. E. sehr lesenswert. Der komplette Artikel ist in drei Teilen im Internet aufzurufen.
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