Der vermeintliche Alleskönner BBI/BER wird mehr als nur Kinderkrankheiten aufweisen.
Kapazitätsprobleme und eine mangelhafte Schienenanbindung werden immer wahrscheinlicher.

Weder ein Verlustbringer für das Land Berlin, noch eine Rechtsgefährdung für den BBI/BER. Der ideale Business-Airport, inkl. Nahverkehrsanbindung, den Klaus Wowereit nicht haben wollte. Foto © Das Thema Tempelhof e. V. 2011
Liebe Tempelhof-Freunde, liebe Leser unseres Newsletters,
in letzter Zeit häufen Sich Meldungen über zu erwartende strukturelle Mängel des neuen Flughafens BBI/BER in Schönefeld.
Ehemals als optimal angebundener Single-Airport (Flughafen für alle Flugverkehre) angepriesen, müssen nun offensichtlich immer mehr Abstriche von diesem Konzept gemacht werden.
Die „Dresdener Gesellschaft für Luftverkehrsforschung“ stellte jetzt in einer Studie f. d. Brandenburger Verkehrsministerium fest, dass im Segment der Maschinen bis 14 to - und speziell für Business-Maschinen - erhebliche Engpässe drohen. 1.
Die Flughafengesellschaft gab sich daraufhin ahnungslos: "Wir kennen das Gutachten noch nicht" (siehe 1.). Auf die drohenden Kapazitätsengpässe des neuen Flughafens hatten wir bereits mehrfach hingewiesen.
Und dann räumte die Deutsche Bahn AG ein, dass die geplante Hauptbahntrasse zum neuen Flughafen, die „Dresdner Bahn“, nicht vor 2020 fertig sein wird. 2.
Da aus mutmaßlich verfahrenstaktischen Gründen bisher kein Planfeststellungsbeschluss erfolgte, ist auch die Angabe dieses Verfügbarkeitsdatums mehr als optimistisch.

Gesehen auf einem Berliner S-Bahnhof.
Foto © Das Thema Tempelhof e. V. 2011
Grund für diese Verzögerung ist, dass sich die DB AG seit 1998 gegen eine Tunnel-Lösung für diese Trasse sperrt und stattdessen gegen den Widerstand der Anwohner eine ebenerdige, viergleisige (!) Schnellbahntrasse durch ein Wohngebiet mit ca. 80 000 Menschen bauen will, an deren Stelle bisher nur eine eingleisige S-Bahntrasse liegt, siehe „Bürgerinitiative Lichtenrade-Dresdner Bahn e.V.“.
Das Neubauprojekt „Dresdner Bahn“ wird nach seiner Fertigstellung ca. 680 Züge pro Tag bewältigen müssen. Es stellt sich nun die Frage, welche Verkehrsmittel dieses fehlende Volumen bis mindestens 2020 ersetzen können?
Der 40-sitzige Flughafenbus, die Bahnzubringer Flughafen-Express, Anhalter Bahn oder Görlitzer-Bahn, die jeweils nur im 30-Minuten-Takt verkehren werden? Der angestrebte Zubringer-Mix von 70% Schiene und 30% PKW wird daher wohl nur auf dem Papier stehen und tatsächlich in eine vermeintlich politisch nicht gewollte Dominanz des PKW-Zubringerverkehrs münden, Dauerstaus inklusive.
Festzuhalten bleibt, dass mit der Schließung von Tempelhof - und bald auch mit der von Tegel - bestehende Kapazitäten mit einem optimalen Zubringernetz vernichtet worden sind, die nun zusätzlich zum BBI/BER neu aufgebaut werden müssen - vorausgesetzt man hat sich aus politischen Gründen nicht schon grundsätzlich gegen diese Flugverkehre entschieden.
Und zum BBI/BER: „Lange Reisen sollten mit kurzen Wegen beginnen“, textet jetzt die Flughafengesellschaft. Wohl wahr, denn eine lange Anreise ist keinem Fluggast zu wünschen und moderne Flughäfen sollten sowohl aus der Luft als auch vom Boden her gut zu erreichen sein.
Mit den besten Grüßen
Ihr Thema-Tempelhof Team
1. Tagesspiegel vom 19.08.11
2. Berliner Zeitung vom 26.08.11
P. S.

Gut: Mercedes Benz & Friends 27./28.08.11, besser: Flughafen Tempelhof 2008. © DTT e. V. 2011 /© MSD 2008
…und nicht das Tempelhof-Buch vergessen:

Bestellung: Der Fall (von) Tempelhof
© Das Thema Tempelhof e.V. 2011: Direkte und indirekte Textzitate sind nur mit einer vollständigen Quellenangabe zulässig.
Der Newsletter „Das Thema Tempelhof“ - die Fachinformation zum Flughafen Tempelhof und zum Flughafensystem der Region Berlin-Brandenburg, wird herausgegeben vom Verein „Das Thema Tempelhof e.V.“
Pressekontakt / V. i. S. d. P.
Wolfgang Przewieslik, 0176-223 550 70, 030-231 30 318, wolfgang.przewieslik@das-thema-tempelhof.de