Dein ist mein ganzes Herz:
Hat die Tempelhof Projekt GmbH
den Flughafen Tempelhof
geheiratet?
Die Präsentation „Zur Sache: Tempelhofer Freiheit.“ vom 30.08.11.

Hohe Mieteinnahmen und sinkende Unterhaltskosten?
Grafik © Das Thema Tempelhof e.V. 2011
Liebe Tempelhof-Freunde, liebe Leser unseres Newsletters,
bei den Präsentationen der „Tempelhof Projekt GmbH“ weiß man nie, ob man lachen oder weinen soll. Auch die jüngste Präsentation war dafür ein Beleg.
Unter dem Titel „Zur Sache: Tempelhofer Freiheit“, was etwas an „Zur Sache Schätzchen" (Film mit Uschi Glas) erinnert, wurde viel über den Flughafen Tempelhof gesprochen – oder war es der „Tempelhofer Park“ oder das „Tempelhofer Feld“? Der Namen und Begriffe sind viele und so ging es weiter.
„Bühne des Neuen“, „ökologisch wichtiger Freiraum“, „Kraftzentrum für die behutsame bauliche Entwicklung“ lauteten diesmal die Stich- und Schlagwörter, die die nachfolgende Diskussion zu einem verbalen Whirlpool machten - handwarm und einschläfernd. Denkmalschutz, Landeskonservator, Kulturmanager und die Tempelhof Projekt GmbH spielten sich die Bälle zu - unterbrochen nur durch das zuweilen renitente Publikum.
Heiterkeit kam auf, als der Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH, Gerhard W. Steindorf, bekannte: „Wir sind mit dem Gebäude verheiratet.“ Was hätte wohl das Flughafengebäude, immerhin schon über 70 Jahre alt, dazu gesagt?
Steindorfs Verkäufer („Leiter Akquisition und Strategie“) spielte dann wieder das gewohnte Zahlenlotto, das auch diesmal aus global hohen Mieteinnahmen und sinkenden Unterhaltskosten bestand - und der Vertröstung auf eine noch vorzulegende, detaillierte Darstellung. Zudem wurden einmal mehr punktuelle Veranstaltungen, wie z. B. die Mercedes Benz & Friends am vergangenen Wochenende, mit der Nutzung des Gesamtobjektes gleichgesetzt.
Und dann kam noch, was zu erwarten war: Ein Luftfahrt-Museum für Tempelhof wäre viel zu teuer und über den Umzug des Alliierten-Museums auf den Flughafen hat allein der Bund zu entscheiden. Dass aber der in Tempelhof geplante Neubau der Berliner Landesbibliothek komplett vom Eigentümer der Tempelhof Projekt GmbH, dem Land Berlin, mit Kosten von ca. 270 Mio. Euro getragen werden müsste, wurde nicht erwähnt.

Präsentationsmaterial „Parklandschaft Tempelhof“: Vom Kletterfelsen, à la Caspar David Friedrich, guckt nicht der angekündigte Humboldt, sondern des Trost spendenden Engel Damiel (Bruno Ganz) aus dem Wim Wenders-Film „Der Himmel über Berlin“. Über allem der einkopierte Rosinenbomber. Foto + Grafik © Das Thema Tempelhof e.V. 2011
Last but not least wollen wir an einen fast schon vergessenen Genie-Blitz aus dem April 2011 erinnern. Anlässlich der Präsentation des Eelco Hooftman-Siegerentwurfs „Parklandschaft Tempelhof“ schrieb die Stadtentwicklungssenatorin in ihrem Pressematerial:
„Flächen für den muslimischen Friedhof werden südlich angrenzend an den vorhandenen Friedhof angeboten. Die besonderen Anforderungen dafür wie die Ausrichtung nach Mekka sind berücksichtigt. Die gefundene Struktur erlaubt es, die Fläche während der IGA für Blumenbeete und für Mustergräber zu nutzen und anschließend, je nach Bedarf, den Friedhof wachsen zu lassen.“
Wir kommentierten damals: „Ja, Mustergräber. Die haben in Berlin gefehlt.“ (siehe: „Der Fall (von) Tempelhof“, S.214/215).
Es bleibt dabei: Zündende Ideen liegen weder im Senat noch in der Tempelhof Projekt GmbH bereit. Ein Luftfahrtmuseum wäre die beste Chance, wenigstens der Historie des Flughafens Tempelhof gerecht zu werden. Und die zündende Idee schlechthin, der Business-Flughafen Tempelhof, wurde leichtfertig vertan.
Mit den besten Grüßen
Ihr Thema-Tempelhof Team
P. S.
Unter dem Titel "Berlin ist die grünste Hauptstadt Europas" verrät uns die Berliner Morgenpost vom 01.09.11, dass der Flughafen Tegel, wenn am 3. Juni 2012 seine Schließung erfolgen sollte, fortan „Tegeler Stadtheide“ heißen wird. Entstehende Ähnlichkeiten mit der anderen Stadtheide Berlins, dem Dealer-Paradies „Hasenheide“, wären sicherlich rein zufällig.
Den Mietsteigerungen und der Verödung der Einkaufsstraßen rund um den Platz der Luftbrücke in Tempelhof wird wohl ein ähnlicher Vorgang in weit größerem Umfang in Tegel folgen – wenn denn die Schließung tatsächlich vorgenommen werden sollte.
Sicherlich wäre Berlin aber auch ohne die geschlossenen Flughäfen Tempelhof und Tegel die „grünste“ Hauptstadt Europas.
…und nicht das Tempelhof-Buch vergessen:
Bestellung: Der Fall (von) Tempelhof
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Der Newsletter „Das Thema Tempelhof“ - die Fachinformation zum Flughafen Tempelhof und zum Flughafensystem der Region Berlin-Brandenburg, wird herausgegeben vom Verein „Das Thema Tempelhof e.V.“
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