Die Berliner CDU erfüllt dem Bibliotheksfan Klaus Wowereit seinen größten Wunsch.
Wollen SPD und CDU den ehem. Flughafen Tempelhof für 270 Mio. Euro mit einer Bibliothek zubauen?

Liebe Tempelhof-Freunde, liebe Leser unseres Newsletters,
die Berliner CDU schrieb in Ihrem Vor-Wahlprogramm: „Wir halten zusätzliche Wohnbauten oder eine Landesbibliothek auf dem Tempelhofer Feld aus Gründen des Stadtklimas für falsch.“
Man sagt: „Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern“ und die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus vom 18.09.11 liegen nun auch schon eine kleine Ewigkeit zurück.
Demzufolge hat sich das Vor-Wahlprogramm der Berliner CDU wohl schon in Luft aufgelöst.
Bei den Koalitionsverhandlungen mit der SPD legte die Berliner CDU jedenfalls am 17.10.11 alle Bedenken hinsichtlich einer Bebauung Tempelhofs und der angespannten Haushaltslage Berlins ad acta, und erfüllte dem Bibliotheksfan Klaus Wowereit seinen wohl sehnlichsten Wunsch, indem sie dem Neubau der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof zustimmte – Kostenpunkt schlappe 270 Mio. Euro.
Zu fragen ist, ob ein ehemaliges Flughafenfeld der natürliche Standort für einen Bibliotheksneubau ist, da ein Zweckbau offenkundig nicht zwangsläufig an eine Event-Location wie den Flughafen Tempelhof gebunden ist. Und die schon vorhandene und größtenteils leerstehende ca. 300.000 m² große Bruttogeschossfläche des Flughafengebäudes reicht für eine Bibliotheksansiedlung nicht aus?
Die Lateiner unter uns würden vielleicht die Frage stellen: „Cui bono (lat.: Wem nutzt es?)?“ Ein Blick auf die Karte offenbart dann, dass der siebenstöckige Bibliotheksneubau wohl rein zufällig genau zwischen den beiden Runways errichtet werden wird und somit jedwede Flugbewegung für immer ausschließen wird.
Ob das Klaus Wowereit und der Berliner CDU überhaupt bewusst gewesen ist oder sind beide Seiten nur von der Liebe zum Bibliothekswesen geleitet worden?
Wie auch immer, wir finden diesen Vorgang erstaunlich und viele Einrichtungen in Berlin werden nun bedauern, dass sie nicht auch aufgrund einer politischen Laune sieben Stockwerke hochbauen dürfen – wo auch immer.

Ganz im Ernst:
Die Berliner CDU wird aufpassen müssen, dass sie für das Linsengericht einer Senatsbeteiligung nicht dauerhaft ihre Glaubwürdigkeit verspielt, denn viele Tempelhof-Freunde haben diese Partei gewählt, um den Bestandsschutz für den ehemaligen Flughafen Tempelhof zu erreichen und müssen nun eine abrupte Kehrtwende zur Kenntnis nehmen. Abzuwarten bleibt auch, wie die linken Flughafengegner auf diese Entscheidung reagieren werden, da deren „Park“ nun immer kleiner zu werden droht.
Bezogen auf die mutmaßlichen Einsparpotentiale des Bibliotheksbaus erklärte der Partei- und Fraktionsvorsitzende der Berliner CDU, Frank Henkel, laut Berliner Morgenpost vom 18.10.11, dass es kein "Wünsch dir was" geben werde. Auch hier werden wir im Nachhinein schlauer sein.
Klaus Wowereit ist jedenfalls sein großer Wunsch erfüllt worden und er hat seine Trophäe ohne große Anstrengungen einsammeln können.
Als standhafter Verteidiger des A 100-Ausbaus hat er zudem gepunktet und ein Politiker, der ihm Paroli bieten kann, ist weit und breit nicht in Sicht. Das kann für Berlin nicht gut sein. Harry Ristock, das Urgestein der Berliner SPD, begleitete einmal die Bildung einer Großen Koalition mit den Worten, dass sich diese wie Mehltau über die Stadt legen werde. So wird es wohl auch diesmal sein.

Übrigens wird die Wirtschaftlichkeit des geschlossenen Flughafens Tempelhof durch den 270 Mio. Euro teuren Bau der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) nicht verbessert werden, da die Bibliothek keinen Deckungsbeitrag zum Betriebsergebnis von Tempelhof leisten kann, und ganz nebenbei Steuern konsumieren und nicht produzieren wird.
Insgesamt bestätigt sich hiermit erneut der Eindruck, dass nach der Flughafenschließung, die mit vermeintlich untragbaren Betriebsverlusten begründet wurde, Geld überhaupt keine Rolle mehr spielt, und geplant und projektiert wird, was das Zeug hält, um die mutwillig erzeugte Stadtbrache zu überdecken.
Eine kritische Öffentlichkeit, die das hinterfragt, fehlt zum großen Teil.
Mit den besten Grüßen
Ihr Thema-Tempelhof Team
…und nicht das Tempelhof-Buch vergessen:
Bestellung: Der Fall (von) Tempelhof

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