Befindet sich das Berliner Flughafensystem in einer komfortablen Situation?
Die Eröffnung des neuen Flughafens BBI steht bevor.

Liebe Tempelhof-Freunde, liebe Leser unseres Newsletters,
wundern Sie sich darüber, dass wir weiterhin vom „BBI“ sprechen und nicht vom „BER“? Wir tun das, weil der Flughafen ja nun immer noch „Berlin-Brandenburg International“ heißt und wir im Übrigen auch nicht vom „FRA“ oder „MUC“ oder „CGN“ oder „LEJ“ sprechen würden. Das sind jeweils die IATA-Codes, wie BER auch.
Das neue Jahr ist nun schon ein paar Tage alt, und jeder fragt sich, was 2012 wohl bringen wird und was nicht.
Und befinden wir uns in Bezug auf das Berliner Flughafensystem in einer „komfortablen“ Situation, wie es der Flughafenchef Dr. Rainer Schwarz gegenüber dem „Wiener Standard“ jüngst wieder behauptete? Dazu später mehr.
Inzwischen ist klar, dass die Eröffnung des BBI nun nach zahlreichen Terminverschiebungen tatsächlich wie angekündigt erfolgen wird. Nur was im Juni 2012 eröffnet werden wird, ist unklar - und die dann eingetretene Realität wird sich wohl etwas vom bunten PR-Material unterscheiden, das bis jetzt so überreich produziert worden ist, bis hin zum „BER“-Geklingel.
Folgende strukturelle Mängel des BBI werden dann nicht weiter ausgeblendet werden können:
1. Da das Single-Airport-Konzept, wider besseres Wissen, wie ein Glaubenssatz gegen ein flexibles Multi-Airport-Konzept, u.a. unter dem möglichen Einschluss des Ergänzungsflughafens Tempelhof, politisch durchgesetzt wurde, wird Berlin und die gesamte Region mit diesem Ergebnis leben müssen.
Das heißt konkret:
• Dass es nach der Schließung von TXL keinen Ausweichflughafen in der Region mehr geben wird und dass hierzu dann Hamburg, Hannover und Leipzig dienen müssen. Passagiere von verspätet nach 24 Uhr in BBI eintreffenden Flügen werden dann während der nächtlichen bis morgendlichen Busfahrt nach Berlin über die Sinnhaftigkeit dieses politisch bestimmten Konzeptes nachdenken dürfen.
• Dass, nachdem schon den Privat- und Geschäftsfliegern mehrfach deutlich gemacht worden ist, dass für sie der Platz auf dem Single-Airport BBI eng werden wird, nun das gleiche Schicksal erwartungsgemäß auch die Regionalfluglinien ereilen wird.
Wohl stellvertretend für dieses Marktsegment erklärte die Mannheim-Linie „Cirrus Airlines“ schon jetzt ihren Weggang aus der Region, da mit der Eröffnung des BBI die Flughafengebühren um 70% steigen werden.
• Dass für den Nordwesten Berlins die Anfahrtszeiten und –kosten für den neuen Flughafen erheblich zunehmen und sich auf zusätzliche ca. 60 Minuten belaufen werden.
Die Attraktivität der innerdeutschen Destinationen, die sich aus einer Reisezeit von jeweils ca. 2 Stunden ergab, wird dann der Vergangenheit angehören.
2. Der neue Flughafen BBI, der ehemals für 19 Mio. Passagiere geplant worden war und meist durch Federstrich auf 20, 22, 25 und 27 Millionen Passagiere hochgeschrieben wurde, wird innerhalb weniger Jahre sein maximales Leistungsvolumen erreicht haben.
Auch die gerichtliche Festschreibung auf maximal 360 000 Flugbewegungen pro Jahr wird die weitere Entwicklung behindern.
3. Da das Berliner Stadtgebiet fortan von jedem Anflugverkehr freigehalten werden soll, werden die notwendigen Anflugverfahren weiter nach Brandenburg hinein verlagert werden müssen.
Außerdem wird die Luftfahrtraumstruktur erheblich verändert werden: Die sogenannten „Anflugköpfe“ (3500 ft MSL) deckeln das Segelflugleistungszentrum Lüsse im Westen, im Osten Eggersdorf, Fürstenwalde, Strausberg und Neuhardenberg - und im Süden Schönhagen und Fredersdorf (aerokurier 12/2011). Neben den Privatfliegern werden mit Schönhagen also auch die Businessflieger betroffen sein.
Die genannten Marktsegmente werden daher ebenfalls von einer schleichenden Verdrängung aus der Hauptstadtregion bedroht sein.
Zu den schon bekannten strukturellen Mängeln des BBI kommen nun dem Vernehmen nach auch noch unzureichend ausgebaute Rollwege und Schnellabrollbahnen.
Wie aus Pilotenkreisen zu hören ist, ergeben sich für die Südbahn durch fehlende Rollwege improvisierte Rollstrecken von bis zu 5.200 Meter Länge. Mehr oder weniger irren die Flugzeuge über den Flughafen, den „modernsten in Europa“. Und wenn hier noch kleinere und langsamere Maschinen mitmischen, wird alles weiter verzögert.
Zusammen mit der planungsrechtlichen Begrenzung der Flugbewegungen am Himmel entsteht so also ein doppeltes Nadelöhr, dass ein ausreichendes Wachstum des Passagiervolumens verhindern und das Single-Airport-Konzept (ein Flughafen für alle Flugverkehre) endgültig torpedieren wird.
Insgesamt kann also nicht von einer „komfortablen Situation“ des BBI gesprochen werden. Die Verantwortlichen für die genannten Sachverhalte sind hinlänglich bekannt.
Mit den besten Grüßen
Ihr Thema-Tempelhof Team
P. S.
Unter Tempelhof-Freunden hat ein Serienbrief große Verwunderung ausgelöst, der zu Jahresbeginn von der Dr. Berner Insolvenzverwaltung versandt worden ist. Mit diesem sogenannten Mahnschreiben wird zum wiederholten Male versucht, vermeintlich ausstehende Mitgliedsbeiträge für die Icat e.V. aus dem Jahr 2008, 2009 und 2010 einzutreiben.
An diesem Vorgang fällt folgendes auf: Dieser Serienbrief wurde als Massenversandform Infopost zugestellt – eine Versandform, die für rechtsgültige Zustellungen unüblich ist, da sie nicht termingenau ist.
Außerdem wird in diesem Serienbrief offensichtlich pauschal von jedem Adressaten der gleiche Betrag von 24,16 Euro eingefordert. Zudem sind für diese Versendung offensichtlich veraltete und falsche Daten verwandt worden, d. h. Vereinsaustritte sind ignoriert und alleinige Förderer der Icat e.V. sind ebenfalls „angemahnt“ worden.
Der Serienbrief ist im Namen der Notvorstände der Icat e.V., Herrn Dr. Falk Fabich, Geschäftsführer des Forschungsverbunds Berlin e.V., und Herrn Ulrich Kirschbaum, verfasst worden.
Wir erwarten eine umgehende Beendigung dieser Praxis.
…und nicht das Tempelhof-Buch vergessen:
Bestellung: Der Fall (von) Tempelhof

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