Das Tempelhof-Prinzip: Erst schließen, dann eine Denkpause einlegen.
Der Verkehrs- u. Stadtentwicklungssenator Müller spricht sich gegen einen Gemischtwarenladen in Tempelhof aus.

Der hier zu sehende Kofferanhänger stammt aus dem Jahr 1971. Bis zur Eröffnung des Flughafens Tegel (TXL) 1974 galt für Berlin und damit für den Flughafen Tempelhof das IATA-Kürzel BER.
Liebe Tempelhof-Freunde, liebe Leser unseres Newsletters,
da haben wir nicht schlecht gestaunt, als wir den Tagesspiegel-Artikel „Kein Bauchladen für das Tempelhofer Feld“ vom 21.01.12 gelesen haben.
Der Verkehrs- u. Stadtentwicklungssenator Müller, vormaliger Berliner SPD-Fraktionsvorsitzender und damit auch ehem. Ausputzer Wowereits in Sachen Flughafen Tempelhof, mahnte gegenüber dem Tagesspiegel eine Denkpause (!) bezüglich des Flughafens an und äußerte die Befürchtung, dass die die dortige „Randbebauung ... zu einem „Bauchladen“ werden könnte.“
Bei der Lektüre dieser Aussage fragt man sich, ob es sich um den gleichen Michael Müller handelt, der 2008 als Mitbegründer des „Bündnisses für ein flugfreies Tempelhof“ energisch dem „Anything Goes“ das Wort redete, Hauptsache er bekam einen weiteren Knüppel gegen den Flughafenbetrieb in die Hand.
Sogenannte Nachnutzungsvorschläge, die außerhalb der Berliner Stadtgrenze Anlass zum Gelächter gaben, wurden innerhalb Berlins u.a. von Herrn Müller als chancenreiche Entwicklungsperspektiven für Tempelhof gehandelt, denen vermeintlich allein der Flugbetrieb im Wege stehen würde.
Diverse vom Berliner Senat abgehaltene „Wettbewerbe“ präsentierten in diesem Sinne dann Vorschläge, die sich an vermeintlicher Originalität geradezu überboten. Erinnert sei an den Kletterberg, an die Mustergräber und an die sogenannten Pionierfelder, sprich Schrebergärten, die der sogenannten Ernährungsautonomie dienen sollten. Der Gewinner eines dieser einschlägigen „Wettbewerbe“ träumte gar von Baumschulen in Tempelhof.
Will sich Herr Müller nun an diesen von ihm propagierten Budenzauber nicht mehr erinnern und beklagt er daher jetzt wenig überzeugend den tatsächlichen Bauchladen in Tempelhof?
Jedenfalls sollte Herr Müller nachdem Ende der angekündigten Denkpause eine transparente Kostenrechnung für den seit 2008 geschlossenen Flughafen Tempelhof präsentieren, die deutlich über die Zahlenmystik hinausgeht, die noch für 2010 vorgelegt wurde:
„Die Stilllegung nicht mehr benötigter Anlagen wie Tankstellen und Flugbefeuerungsanlage trugen ebenso zur Einsparung bei. Der Aufwand für die Bewirtschaftung sank so um fast 8 Millionen Euro.“ Das müssen aber sehr, sehr große und damit sehr, sehr teure Anlagen gewesen sein, deren Einsparung dieses Kostenvolumen erreichen konnte. Zudem waren die genannten Anlagen aber schon seit 2008 außer Betrieb.
Außerdem sollte seitens des Senators vor der nächsten Denkpause und vor der Schließung des letzten verbliebenen Berliner Flughafens Tegel Auskunft darüber gegeben werden, welcher Ausweichflughafen ab dem 03.06.12 für den vermeintlichen Single-Airport BBI zur Verfügung stehen wird. Sicherlich ist die Erwähnung dessen bisher nur in der Eile vergessen worden.
Zudem wäre es äußerst wichtig von Herrn Müller zu erfahren, in welcher Weise die ca. 10 000 Arbeitsplätze, die von TXL abhängen, nach der Schließung des Flughafens ersetzt werden. Auch hier sind wir auf alles gefasst. Böse Zungen behaupten, dass der Umzug dieser Arbeitsplätze zum BBI allein auf dem Papier stattfinden würde.
Am Ende des Tsp-Artikels lässt sich Herr Müller schließlich mit den Worten zitieren, dass die erforderlichen ca. 330 Mio. Euro für die Sanierung des Kongresszentrums ICC vom Land Berlin nicht aufgebracht werden können. Unsere Frage wäre dann, wenn schon diese Sonderausgabe nicht gestemmt werden kann, woher der Berliner Senat dann die ca. 400 Mio. Euro für die „Klaus-Wowereit-Gedenkbibliothek“ in Tempelhof nehmen will?
Wir sind gespannt auf die weiteren Müllereien.
Mit den besten Grüßen
Ihr Thema-Tempelhof Team
P. S.
Am 25.01.12 tagte im Flughafen Tempelhof der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt des Berliner Abgeordnetenhauses.
Aufgrund von Anträgen der Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen, CDU und SPD wurde über den Stand der „Nachnutzung“ und der „Planung“ für den geschlossenen Flughafen Tempelhof diskutiert.
Diese ganz große Koalition derer, die es begrüßen, dass sich seit 2008 in Tempelhof allein die Nebelkrähen und Füchse „Gute Nacht!“ sagen, hatte außer ihren bekannten ideologischen Versatzstücken erneut nichts anzubieten.
…und nicht das Tempelhof-Buch vergessen:
Bestellung: Der Fall (von) Tempelhof

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